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Sicherheit am Berg — Lawinen, Wetter und der Notruf, den man kennen sollte

Die meisten alpinen Notfälle entstehen nicht durch Pech, sondern durch eine falsch eingeschätzte Situation, die sich mit ein paar Grundregeln vermeiden lässt.

Ein Bergsteiger prüft eine Karte vor einer verschneiten Berglandschaft unter dichten Wolken

Die europäische Lawinengefahrenskala

Amtliche Lawinenwarndienste in ganz Europa, darunter Österreich, nutzen eine gemeinsame fünfstufige Skala von 1 (gering) bis 5 (sehr groß), grün bis dunkelrot farbcodiert. Schon Stufe 3 ("erheblich") — die in den österreichischen Alpen an vielen Wintertagen ausgerufen wird — bedeutet, dass sich Lawinen bereits bei geringer Zusatzbelastung, etwa durch einen einzelnen Skifahrer, lösen können, insbesondere an bestimmten Hangexpositionen und Höhenlagen. Die Zahl allein sagt wenig, solange man nicht auch die im Lagebericht genannten Gefahrenstellen und Hangrichtungen liest.

Der Lagebericht: lawine.report

Für Tirol bewertet der Lawinenwarndienst Tirol die Situation täglich neu und veröffentlicht den aktuellen Lawinenlagebericht unter lawine.report — jedes andere Bundesland hat einen eigenen, vergleichbaren Dienst. Der Bericht ist keine einmalige Lektüre vor der Reise, sondern gehört an jedem einzelnen Tourentag neu gelesen, da sich die Einschätzung mit Neuschnee, Wind und Temperatur binnen Stunden ändern kann.

Der Alpin-Notruf: 140, nicht 112

Die 140 ist in Österreich die direkte Nummer der Bergrettung für alpine Notfälle und in der Regel schneller am Ziel als der allgemeine europäische Notruf 112, der ebenfalls funktioniert, aber zunächst über eine allgemeine Leitstelle läuft. Ergänzend existiert die App SOS EU ALP, die auch bei fehlendem Mobilfunknetz über Notruf-Relais funktionieren kann. Eine Besonderheit: Auch eine sogenannte "Negativlawine" — eine abgegangene Lawine, bei der niemand verschüttet oder verletzt wurde und niemand vermisst wird — sollte über 140 gemeldet werden, damit keine unnötige groß angelegte Suchaktion ausgelöst wird, falls die Lawine von Dritten beobachtet und gemeldet wird.

Wetterumschwung im Hochgebirge

Im Hochgebirge kann sich das Wetter binnen einer Stunde grundlegend ändern — ein Grund, warum erfahrene Bergsteiger im Sommer traditionell im Morgengrauen starten. Nachmittägliche Gewitter bilden sich in den Ostalpen an warmen Sommertagen besonders häufig und schnell, oft ab früh- bis mittlerem Nachmittag; wer erst am Nachmittag auf einem exponierten Grat unterwegs ist, hat ein reales Blitzschlagrisiko. Für Hochtouren gilt deshalb: früher Start, Gipfel bis spätestens früher Nachmittag erreicht, danach zügiger Abstieg unter die Baumgrenze.

Höhenlage und Akklimatisierung

Ab etwa 2.500 Metern können bei manchen Personen erste Symptome einer Höhenanpassung auftreten — Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit bei Belastung, Schlafstörungen. In den österreichischen Alpen erreicht man solche Höhen oft sehr schnell per Seilbahn, ohne die übliche Akklimatisierungszeit eines mehrtägigen Aufstiegs. Wer direkt von einer Talstation auf eine Gletscherstation über 3.000 Metern fährt, sollte die ersten Stunden dort ruhig angehen, statt sofort eine anstrengende Tour zu beginnen.